Ein Seitensprung mit Folgen

Als ich Mike kennenlernte ahnte ich nicht, dass dieser Seitensprung mein ganzes Leben verändern würde.

Wir lernten uns in einem Chatroom kennen. Dort verbrachte ich meine Abende, wenn mein Freund mal wieder mit allen möglichen Dingen beschäftigt war, bloß nicht mit mir. Oft langweilte ich mich zu Tode, doch seit ich zum ersten Mal mit Mike gechattet hatte, änderte sich alles.

Anfangs chatten wir nur im Beisein der anderen, doch schnell wechselten wir in den privaten Modus und tauschten unsere Handynummern auf. Von den anderen Chat-Teilnehmern wurden wir ständig aufgezogen damit, dass wir im selben Moment dasselbe schrieben und uns immer mit einer riesigen Anzahl an Herzchen begrüßten.

Ich machte mir keine Gedanken darüber, wohin das mit Mike führen würde. Wir kamen aus unterschiedlichen Bundesländern und unsere Lebenssituationen hätten verschiedener nicht sein können. Ich war in einer festen Beziehung, wohlsituiert und Anfang 30, er lebte in einer Wohnung ohne Strom, war Mitte 20 und sicherte sich sein Überleben mit kleinen Gaunereien.

Alles ändert sich

Über all diese Dinge machte ich mir keine Gedanken, denn ich liebte meinen Freund. Ich genoss die Gespräche mit Mike, lernte eine völlig andere Welt kennen und fühlte mich endlich nicht mehr so einsam. Auch mein Freund war erleichtert, dass ich mich nun Abend für Abend mit meinem Handy beschäftigte.

Auf die Idee einmal zu fragen was ich da tat, kam er überhaupt nicht. Ich chattete. Bis morgens um vier Uhr und sobald ich von der Arbeit kam ging es weiter. Wir tauschten Sprachnachrichten, Fotos und schließlich sogar Videos und so ließ ich Mike mehr und mehr in meinen Alltag, ohne es zu merken.

Eines Abends kam die Frage, die ich die ganze Zeit im Hinterkopf hatte. Mike wollte von mir wissen, ob wir uns treffen. Ich starrte aufs Handy und wusste nicht, was ich antworten sollte.

Doch mein Kopf begann schon zu planen. Wir müssten uns irgendwo in der Mitte zwischen unseren Wohnorten treffen. In einem Hotel, einem Luxushotel. Für ein paar Stunden. Denn über Nacht würde ich nicht wegkönnen. Ich würde natürlich die Kosten für sein Bahnticket und das Hotel übernehmen.

Noch bevor ich überhaupt darüber nachdenken konnte, tippten meine Finger schon und schickten ihm eine Nachricht. Er war nicht so erfreut wie ich dachte, sondern antwortete erst einmal mehrere Stunden nicht.

Dann erst meldete er sich zurück und erklärte mir, dass er sich bei dem Gedanken nicht wohlfühle, wie ein heimlicher Liebhaber im Hotel empfangen zu werden. Doch er war genau das! Er war mein kleines Geheimnis, was niemals ans Tageslicht kommen dürfte.

Zwei Wochen später

Es dauerte zwei Wochen vom Tag von Mikes Zusage, bis zu unserem Treffen. Ich hatte akribisch alles geplant. Ich hatte das Hotel reserviert, ich war bereits hingefahren und hatte bar bezahlt, ich hatte seine Zugtickets gekauft und sie am Schalter an seinem Bahnhof hinterlegen lassen.

An einem regnerischen Samstagmittag stand ich zitternd am Bahnsteig und sah der großen Uhr dabei zu, wie die Zeit verrann. Es waren noch sieben Minuten bis zu seiner Ankunft. Wir schrieben uns Nachrichten, während wir warteten. Er im Zug, ich auf dem Bahnsteig.

Als ich die Lichter des einfahrenden Schnellzugs sah wurde mir schlecht. Ich wollte weglaufen, doch ich blieb wie gefesselt stehen. Ich trug ein schwarzes, knielanges Kleid, darüber eine Jacke aus Kunstfell, meine schwarze Lederhandtasche und hochhakige Schuhe. Ich sah eben aus wie ich, eine leicht verwöhnte Frau Anfang 30, deren Outfit alles andere als billig gewesen war.

Und dann sah ich ihn zwischen den anderen Passagieren. In zerrissenen Jeans, die Haare wild unter einer Mütze gebändigt, eine Jeansjacke mit Buttons verschiedener Bands über der Schulter tragend und einem riesigen Globetrotter-Rucksack auf dem Rücken lief er auf mich zu.

„Endlich“, seufzte er nur und zog mich in die Arme. Was ich dann erlebte war der Kuss meines Lebens. Ich merkte, dass die anderen Menschen uns anstarrten. Wir waren wie Feuer und Wasser, doch wir standen einfach nur auf dem Bahnsteig und küssten uns.

Im Hotel angekommen

Als wir uns nach einer gefühlten Ewigkeit voneinander gelöst hatten, waren wir beide verlegen und ich übernahm schließlich die Führung. Ich lotste ihn aus dem Bahnhof und wir nahmen ein Taxi, um ins Hotel zu fahren.

Wir sprachen auf der Fahrt wenig. Mike war damit beschäftigt die Umgebung zu bestaunen und ich griff irgendwann einfach seine Hand und starrte in die Luft. Im Rückspiegel beobachtete uns der Taxifahrer und ich konnte ahnen, wie es hinter seiner Fassade arbeitete.

Auch in der Hotellobby hatten wir die Blicke der angestellten auf unserer Seite. Mike, mit seiner riesigen Zahnlücke, seinen strubbeligen Haaren und dem Outfit, was an einen Punk erinnern ließ und ich, die verwöhnte Madame, die mit ihrem Montblanc-Kugelschreiber die Rechnung abzeichnet. Eine Sekunde lang schämte ich mich, doch dann warf ich meine Gedanken über Bord. Was auch immer sie dachten, es war anders.

Wir gingen schweigend aufs Zimmer und ich war mir nicht sicher, ob Mike sich wegen der Blicke unwohl gefühlt hatte. „Du redest wohl nicht mit mir?“, fragte ich unsicher und er sah mich nur an. „Ich konnte nicht, ich musste mich konzentrieren“, antwortete er jetzt und sein Blick brannte wie Feuer auf meiner Haut.

„Worauf?“, fragte ich leise, als ob ich die Antwort schon ahnte. „Darauf, dass ich dich nicht einfach auf der Straße packe und nie wieder loslasse“, war sein Kommentar und damit brach er alle Dämme.

Es wird nie mehr wie zuvor

Wir stürzten uns aufeinander wie zwei ausgehungerte Tiere auf ihre Beute. Unsere Köpfe stießen aneinander, doch wir merkten es nicht. Unsere Lippen wollten sich nicht mehr voneinander lösen, noch nie in meinem Leben habe ich solche Küsse erlebt. Wir küssten einander nicht einfach nur, wir versanken ineinander, wir fanden uns, es war als wären wir genau dafür bestimmt.

Kleidung zerriss, mein Seidenblüschen hing wie ein Fetzen an meinem Körper, doch das war uns egal. Jeder Zentimeter Stoff behinderte nur, dass wir einander spüren konnten. Es ging um weit mehr als nur Sex. Wir waren auf einer Welle, wir berührten einander so sanft und zugleich leidenschaftlich, dass wir in Flammen standen.

Unsere Körper passten zusammen wie zwei Puzzleteile, die irgendwann einmal getrennt worden waren. Mikes Lippen glitten über meinen Hals, meine Schulter, meine Arme. Er nahm jeden einzelnen meiner Finger zwischen seine Zähne, knabberte daran, küsste die Spitzen.

Er schmiegte sich an mich, seine Brust rieb über meine. Sein Atem wanderte über meinen Bauch, hinterließ sengende Spuren der Lust. Ich trieb meine Schenkel auseinander, wollte ihn spüren, ihn fühlen, doch er ließ sich Zeit, erkundete mein Delta mit seinen Händen, seinen Lippen, seiner Zunge und seiner Zähne.

Ich hatte auch vor Mike schon Sex gehabt, doch nie in dieser Intensität und mit dieser Leidenschaft, die er in mir auslöste. Vergessen waren unsere gesellschaftlichen Unterschiede. Mike betrachtete mich mit den Augen eines Mannes, der pure Begierde verriet.

Ein unfassbares Erlebnis

Das war es auch, warum Mike mich so wie er war faszinierte. Mich interessierte sein Stand in der Gesellschaft nicht. Auch seine Gaunereien konnten mich nicht abstoßen. Der Blick, mit dem er mich betrachtete, war für mich unvergesslich. Er sah nur noch mich, es war, als gäbe es niemand anderen mehr auf dieser Welt.

Als sein Mund meine intimen Lippen erschlossen war ich von Sinnen. Ich wand mich auf dem breiten Bett, ich jammerte, wimmerte und gab mich ihm hin. Ich erschauderte und erbebte als der Höhepunkt mich mehrmals am Stück heimsuchte.

Zitternd und schutzlos lag ich vor ihm auf dem Bett, als er sich mit kleinen, begierigen Küssen wieder an mir hinaufarbeitete. Er schloss meine Beine und legte sich mit seinem ganzen Körpergewicht auf mich. Er war leicht, dünn, fast schon ein wenig zu dünn, doch ich spürte seine Wärme und fühlte mich so geborgen wie noch nie zuvor.

Trotz meiner geschlossenen Beine fand sein Phallus meine Lusthöhle und er drang voller Gefühl in mich ein. Durch die Enge meiner Schenkel und unsere beiden Körper, die eng aufeinander lagen, wurde ich von einer nie gekannten Wärme durchströmt.

Mike bewegte sich nur langsam, sah mir immer wieder tief in die Augen und ich hatte das Gefühl, dass sein Blick bis in meine Seele reichte. Ich umklammerte ihn als müsste ich ertrinken und er wäre mein Boot, was mich retten würde.

Ein schmerzhaftes Ende

Wir schaukelten im Einklang mit unserer Lust. Wann immer er sich bewegte, schwang mein Körper im gleichen Takt. Wir hatten keinen Sex, wir machten Liebe. Und als wir zeitgleich zu einem unfassbar intensiven Höhepunkt kamen, standen mir die Tränen in den Augen.

Ich hätte niemals gedacht, dass ich einmal so intensiv empfinden würde. Ohne Worte rutschte Mike von mir herunter und schloss seine Arme um mich. Wir blieben engumschlungen liegen und ich schloss meine Augen. Ich fühlte mehr als ich durfte. Ich liebte diesen Mann, doch mir war klar, dass es enden musste.

Ein leises Schnarchen verriet mir, dass er eingeschlafen war. Millimeterweise bewegte ich mich aus einem festen Griff und glitt vom Bett. Lautlos zog ich meine Kleidung an, während Tränen über mein Gesicht liefen. Ich hasste das, was ich nun tun müsste, doch wenn ich blieb, würde ich nie wieder zurückgehen.
Aus meinem Geldbeutel nahm ich 5000 Euro und legte sie dezent auf den Nachttisch. Es sollte keine Bezahlung für das Erlebnis sein, dieses Erlebnis war für mich unbezahlbar. Doch ich musste fort und ich wollte Mike den Abschied ein wenig erleichtern.

Als ich die Tür des Hotelzimmers von außen schloss, zerbrach in mir etwas. Das war das Gefühl, wenn ein Herz zerbricht, da war ich mich sicher. Ich löschte meinen Chataccount, blockierte seine Nummer und lief zurück in mein altes Leben.

Ich kannte keinen anderen Weg, denn die Liebe, die ich für Mike empfand, war zu stark, um mit ihm nur eine Affäre zu spüren. Ich würde alles hinter mir lassen für ihn und das konnte ich nicht. Bis heute ist der Schmerz nicht vergangen und ich werde den Tag mit Mike niemals vergessen.

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